Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 8/2018

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Mirabelle – die „bewundernswerte Schöne“


Mirabellen, die kleinen Schwestern der Pflaumen (c)AnnaReinert

Der Duft reifer Mirabellen ist unwiderstehlich. Die sonnengelben Früchte schmecken aromatisch, süß und feinwürzig, sind aber auch empfindlich. Im Handel findet man daher häufiger feste Pflaumen als die zarten, duftenden kleinen Schwestern. Zu den feinsten und aromatischsten Sorten zählt die „Mirabelle von Nancy“. Sie wurde 2018 vom Verband der Gartenbauvereine Saarland / Rheinland-Pfalz zur Streuobstsorte des Jahres gewählt. Die kugelige Sorte ist goldgelb und hat auf der Sonnenseite oft rote Pünktchen oder Bäckchen.

Die Mirabelle ist eine Unterart der Pflaume und wird manchmal auch Gelbe Zwetschge genannt. Weinbaugebiete mit mildem Klima wie der Mittelrhein, die Pfalz und Mainfranken sind ideale Anbaugebiete. Unbestrittenes Mirabellenzentrum ist jedoch das französische Lothringen. Dort wachsen rund 80 Prozent der Weltproduktion. Ein großer Teil wird zu Mirabellengeist und zu Likör verarbeitet. Die knorrigen Bäume werden bis zu fünf Meter hoch. Sie mögen warmes Klima, sind aber auch in unseren Breiten für Krankheiten wenig anfällig, ein Plus im Bioanbau.

Mirabellen machen Obstkuchen saftig und aromatisch oder können als Marmelade oder Kompott eingekocht werden. Frisch harmonieren die Früchte mit Vanille, Mandeln oder Haselnüssen, zum Beispiel im Obstsalat, in einem Crumble oder auf Mirabellentörtchen. Aber auch pikant kann die Mirabelle, zum Beispiel in orientalischen Gerichten, im Putencurry oder als Chutney. Ungewöhnlich ist sie als Begleiterin in einem Salat mit Belugalinsen, feingehackten Zwiebeln, Petersilie und Schafkäse. Übrigens: Mirabellen sind nicht nur lecker, sondern liefern unter anderem Vitamin C und Kalium.

Die Erntezeit geht im September zu Ende. Schnell noch zugreifen! Oder im Bio-Fachhandel nach Mirabellenmarmelade fragen, einem Klassiker unter den Konfitüren. Auch im Saft „Heimischer Multi“ von Voelkel steckt Mirabellenpüree.

Ein guter Fang: Fisch im Bio-Fachhandel


Bedrohte Fischbeständ: Es geht nur nachhaltig. ©SINNBILD

Die hochgerüstete Fischfang-Industrie sorgt dafür, dass Fischbestände weltweit zusammenbrechen. Hering, Kabeljau und Makrele könnten aus Nord- und Ostsee schon bald verschwunden sein. Über 40 Prozent der Fischbestände im Nord-Ost-Atlantik sind überfischt, im Mittelmeer sogar 90 Prozent. Seit Jahren vernichten die internationalen Hochsee-Fangflotten zudem sinnlos tonnenweise Meerestiere und Jungfische von gefährdeten Arten. Denn damit zu kleine oder unerwünschte Fische nicht auf die Fangquote angerechnet werden, wirft die Besatzung sie einfach halbtot zurück ins Meer. Solche Rückwürfe sind zwar seit 2014 verboten– aber die Kontrolle ist schwach. Hauptursache für den harmlos als „Beifang“ betitelten millionenfachen Tod ist die Fischerei mit riesigen Schleppnetzen bis auf den Grund der Meere. Damit wird nicht nur wahllos alles gefangen, sondern auch der Meeresboden zerstört.

Eigentlich wollten die EU-Mitgliedsstaaten mit Hilfe der Gemeinsamen Fischereipolitik die Überfischung bis 2020 beenden – doch an der Umsetzung hapert es mächtig. Rechtzeitig vor Beginn der der Verhandlungen über neue Fangquoten hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) daher die Protestaktion Stoppt Rückwürfe gestartet. Rund 100.000 Menschen haben bisher die dazugehörige Petitionbisher unterschrieben, und mehrere tausend haben eine Protestmail an Bundesagrarministerin Julia Klöckner geschrieben.

Die DUH fordert Kontrollen und eine vollständige Dokumentation durch Kamera-Aufzeichnung an Bord, um illegale Rückwürfe einzudämmen. Wer einen Fisch fängt, müsse ihn an Land bringen und auf die Fangquoten anrechnen lassen. Das schaffe Anreize für naturverträglichere Fangmethoden. Die Bundesregierung wird aufgefordert, sich in den EU-Verhandlungen für ein Fangquoten-System einzusetzen, das regionale Küstenfischer und umweltschonende Fischereibetriebe fördert.

In Bio-Fachgeschäften, die Mitglied sind im Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) oder dem Naturkost Südbayern e.V., finden Sie nur Wildfisch aus garantiert nachhaltigem Fischfang: Der Fischbestand muss zum Beispiel orientiert am Greenpeace Fischratgeber positiv beurteilt sein Grundsätzlich gilt: Qualität statt Quantität! Lieber selten, dafür aber hochwertigen und nachhaltig gefangenen Fisch essen – das unterstützt die nachhaltige Fischerei und schont die Fischbestände.

EU-Gerichtshof: CRISPR-Genschere ist Gentechnik


Sieht vielleicht harmlos aus, ist aber Gentechnik... ©vchalup

Der Europäische Gerichtshof hat Ende Juli eine fundamentale Entscheidung getroffen: Auch „neue Gentechnik“ ist Gentechnik. Der Gerichtshof hat damit die Argumente von Bio- und Umweltverbänden voll bestätigt. Mit dem Urteil gelten nun auch Pflanzen, die mit Hilfe von Methoden des „Genome Editing“ wie der Genschere CRISPR/Cas entstehen, als gentechnisch verändert und müssen ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Wichtig für Verbraucherinnen und Verbraucher: Lebensmittel mit den im Labor erzeugten Organismen dürfen Kunden nicht wie befürchtet ohne Kennzeichnung verkauft werden, sondern müssen als „gentechnisch verändert“ gekennzeichnet werden.

Begründet haben die EU-Richter ihre Entscheidung mit dem Vorsorgeprinzip, das schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt verhindern soll. Mit den neuen Verfahren seien vergleichbare Risiken verbunden wie mit der „klassischen“ Gentechnik. Für den Biolandbau und die gesamte gentechnikfreie Landwirtschaft in Europa ist das Urteil von größter Bedeutung, denn einmal in die Umwelt entlassen, lassen sich gentechnisch veränderte Organismen praktisch nicht mehr zurückholen. Arten wie Raps und Zuckerrüben können sich zudem mit heimischen Verwandten wie Kohl und Rüben kreuzen.

 

Auch aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht spricht nichts für die Hochrisiko-Technologie „Agro-Gentechnik“. Die Versprechen der Konzerne, mit gentechnisch veränderten Pflanzen höhere Erträge zu erzielen und dabei weniger Pestizide zu benötigen, haben sich nicht erfüllt. Studien zeigen vielmehr, dass bei GVO-Mais und GVO-Soja nach einiger Zeit erheblich mehr Spritzmittel gebraucht werden und dass Beikräuter und Insekten beschleunigt Resistenzen entwickeln. GVO-Monokulturen mit hohem Spritzmitteleinsatz verringern außerdem die Artenvielfalt dramatisch und sind eine potenzielle Gefahr für die Gesundheit. Auch zur Bekämpfung des Welthungers taugt die Agro-Gentechnik nicht: Keine gentechnisch veränderte Pflanze ist bisher auf regionale Bedürfnisse und kleinbäuerliche Strukturen in den Länder des Südens zugeschnitten.

Pikant und pflanzlich fürs Brot


Hmm... lecker! Die Auswahl an Aufstrichen ist groß/(c)Pixabay

Von Langeweile keine Spur: Die Vielfalt bei veganen Bio-Brotaufstrichen ist heute bunt und verführerisch. Gesunde Zutaten wie Saaten, Nüsse, Hülsenfrüchte, Gemüse und Pflanzenöle sowie die Geschmacksvielfalt überzeugen auch Nicht-Veganer. Ein Blick auf die Zutatenliste im konventionellen Supermarkt zeigt: Der Griff zu Bio lohnt – man erspart sich viele Zusatzstoffe, Aromen und hochverarbeitete Eiweiß-Isolate.

Besonders saftig und lecker sind Bio-Aufstriche mit viel Gemüse wie die Hofgemüse-Palette von Allos, die SmörreBröd-Serie von Zwergenwiese oder neu von Vitaquell die „Bio Crèmmh“-Sorten. Von Aubergine bis Zucchini ist alles dabei. Eine Alternative ist Bruscetta-Aufstrich, zum Beispiel mit Artischocken oder Oliven von La Selva, „Mediterranes Gemüse & Chili“ von Ppura oder Tapenaden wie die Grüne Olivenpaste von Mani (Bläuel). Auch Süßlupinen, Ölsaaten, Nussmuse und Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen oder Kichererbsen bilden eine vollwertige Grundlage. Kombiniert mit Gemüse oder Kräutern ein Genuss! Sanchon hat mit der Serie „Cheesana“ auf Basis von Cashewkernen besonders sahnige Kreationen auf den Markt gebracht, die an Käsecreme erinnern. Eine weitere leckere Alternative: Veggie-Schmalz, zum Beispiel das Crunchyschmelz von Zwergenwiese mit geröstetem Buchweizen oder das Schmalz-Töpfle mit Zwiebeln und Äpfeln von Allos.

Bioläden und Bio-Supermärkte bieten auch die besten pflanzlichen Alternativen zu Käse und Aufschnitt. Hier ist kein Platz für die zahlreichen Zusatzstoffe und Aromen, mit denen konventionelle Hersteller bei Konsistenz und Geschmack nachhelfen. Stattdessen sorgen natürliche Zutaten wie Tofu, Cashew, Soja, Seitan und pflanzliche Fette für nachhaltigen Genuss. Beispiele sind der Tofu-Aufschnitt „Papillon“ und „Rondo“ von Taifun und „Salamito“ und „Tranchetts“ auf Tofubasis von Nagel. Findige Bio-Hersteller haben außerdem das Prinzip der Käsereifung auf die Herstellung von veganen Spezialitäten übertragen. So reift der fermentierte „VegiBelle“ von Nagel mit veganen Starterkulturen.

Wer noch mehr Abwechslung sucht, kann vegane Brotaufstriche selbst machen, zum Beispiel das arabische Baba Ghanoush mit Aubergine, Zwiebel, Knoblauch, frischer Minze und Tomate oder „Eiersalat“ mit Tofu, Gewürzgurke, Schnittlauch, Sojamilch, Senf, Kurkuma und einer Prise Kala Namak, einem indischen Salz, das dank des enthaltenen Schwefels für Ei-Aroma sorgt. Klassiker sind Guacamole mit Avocado, Limette und Tomate sowie Hummus aus pürierten Kichererbsen und Sesammus.

Neu im Kino: „Wir ernten, was wir säen“


Winzig kleine Hauptdarsteller der Films, © W-film/Collective Eye Films

Am 11. Oktober 2018 kommt ein Film in die Kinos, deren Stars winzig klein und dennoch überlebenswichtig sind: Samenkörner! Verehrt und geschätzt seit Beginn der Menschheit, ernähren sie uns und liefern die wichtigsten Rohstoffe für den Alltag. Doch diese unverzichtbare Ressource ist bedroht: 94 Prozent aller Saatgutsorten sind bereits verschwunden. Bei der letzten Saatgutzählung in den USA vor 30 Jahren waren zum Beispiel von 544 bekannten Kohlsorten sind nur noch 28 vorhanden. Konzerne wie Syngenta und Bayer-Monsanto kontrollieren mit gentechnisch veränderten Monokulturen den globalen Saatgutmarkt, binden Bauernfamilien an die „dazugehörigen“ teuren und gefährlichen Pestizide und nehmen hohe Krankheitsraten in den Anbaugebieten in Kauf.

Doch der Widerstand wächst: Bauern, Wissenschaftlerinnen, Anwälte und indigene Saatgutbesitzer kämpfen für Samenvielfalt und für einen Kulturschatz von unermesslichen Wert. Der Dokumentarfilm „Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen“ von Taggart Siegel und Jon Betz zeigt einfallsreich und mit kreativen Bildern die natürliche Vielfalt unserer Saaten. Zu Wort kommen bekannte Umweltaktivisten wie Vandana Shiva, Jane Goodall, Raj Patel und Percy Schmeiser, aber auch Bäuerinnen und Bauern aus Ländern wie Peru, Mexico, Hawaii und Indien. Filmpatin in Deutschland ist Sarah Wiener. Schon jetzt ist der Film ausgezeichnet mit 18 Festival-Awards und nominiert für den EMMY 2018 als „Outstanding Nature Documentary“.

Der Dokumentarfilm fächert die Geschichte des Saatguts auf, von seinem Stellenwert bei indigenen Völkern über die Entstehung der Hybrid-Industrie bis zum heutigen zerstörerischen System mit hohen Lizenzgebühren, Klagen gegen Landwirte und einer dramatischen Vereinheitlichung der Sorten. Der Verlust der Vielfalt ist besonders alarmierend angesichts des Klimawandels. Alte, an Dürre angepasste Maissorten könnten da eines Tages Gold wert sein – ebenso Saatgut von Pflanzen, deren Potenzial als Nahrungsmittel, noch gar nicht entdeckt wurde. Denn von bis zu 30.000 essbaren Pflanzen weltweit nutzen wir aktuell nur rund 120 regelmäßig, und ein Großteil der Welternährung basiert auf nur zehn Pflanzen.

Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen“ (USA 2016, 94 Minuten), Kinostart in Deutschland: 11. Oktober 2018. Kinotermine und weitere Informationen auf der Website des Verleihers W-Film.

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