Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 3/2018

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Mehr Bio rund um die Welt – ein Gewinn für alle

Kontinuierliches Biowachstum weltweit (Quelle der Grafik)

Bio wächst weltweit! Und das ist bekanntermaßen aus vielen Gründen sehr gut so. 2,7 Millionen Biobetriebe gibt es mittlerweile auf der Erde und bei den Bio-Anbauflächen gab es sogar den bisher größten Anstieg: 15 Prozent mehr Bio auf allen Kontinenten im Vergleich zum Vorjahr. Das zeigen aktuelle Zahlen, die im Februar auf der größten Bio-Messe der Welt, der BIOFACHin Nürnberg, vorgestellt wurden.

In Deutschland bewirtschaften Bio-Landwirte und Bio-Landwirtinnen inzwischen mehr als acht Prozent aller Felder ökologisch und mehr als jeder zehnte Hof ist ein Bio-Hof. Jeden Tag stellten 2017 durchschnittlich fünf Betriebe eine Landwirtschaftsfläche von etwa 500 Fußballfeldern auf Bio um. Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln wächst dabei ungebrochen weiter. Gaben die Deutschen 2014 noch 7,8 Milliarden Euro für Bio aus, waren es 2017 schon mehr als zehn Milliarden Euro. Auf der BIOFACH wurden mehr als 2.000 Neuheiten präsentiert, darunter viele vegane Lebensmittel wie Käse auf Cashewbasis und Hack aus Sonnenblumenkernen, Mehl und Pasta aus Hülsenfrüchten, neue Pflanzenöle, Gewürzspezialitäten und Innovatives aus der Naturkosmetik.

Zu den Bio-Originalen zählen traditionsreiche und vertraute, aber auch engagierte junge Bio-Marken, die in den Bioläden in großer Auswahl zu finden sind. 100 Prozent Bio, vom Apfelmus bis zur Zartbitterschokolade, plus Engagement für Nachhaltigkeit, Regionalität und partnerschaftliches Wirtschaften, das gibt es so nur im Bio-Fachhandel. Zwar bauen auch Discounter und Supermärkte ihre Bio-Sortimente aus, seit sich damit gutes Geld verdienen lässt, aber zwischen langen Regalreihen mit aromatisierten Frühstücksflocken, Billigwurst und Fertigsoßen mit sieben Zusatzstoffen stellt sich manch einer die Frage: Wo kommt das alles her? Logos wie „Unser Norden“ oder „Unsere Heimat“ gaukeln zwar regionales Engagement vor, aber meist bleibt die genaue Herkunft doch anonym. Sind Bio-Ideale mit den Niedrigpreisen und Arbeitsbedingungen der Discounter vereinbar? Ist es vertretbar, dass hochwertige Bio-Produkte neben Milch und Fleisch liegen, bei denen die Tiere gentechnisch verändertes Futter erhalten und in enge Kastenställe gesperrt sind? Wer ähnlich ins Grübeln kommt, hat mit den Bioläden und Bio-Supermärkten in Stadt und Region immer eine Alternative.

Ostereier, bunt und bio!

Bunte Eier stimmen auf Ostern ein /Foto ©Africa Studio

Bunte Ostereier gehören für die meisten Menschen zum Osterfest einfach dazu. Mit Bio wird es ein rundum guter Genuss: mehr Platz für jedes Tier, im Stall und auf der Freifläche, Grünflächen und Sträuchern, vorwiegend selbst angebautes Bio-Futter, zum Beispiel Winterweizen, Sommergerste, Erbsen, Lupinen und Hafer. Die meisten Bio-Fachhändler beziehen Eier zudem von regionalen Betrieben, mit denen oft langjährige Partnerschaften bestehen. Häufig zeigt ein Bioland- oder Demeter-Siegel an, dass sogar noch höhere Qualitätsmaßstäbe gelten als beim EU-Biosiegel. Seit einigen Jahren stammen viele Eier im Bio-Fachhandel zudem aus Bruderhahn-Projekten. Durch einen Preisaufschlag bei den Eiern wird so das kostspielige Aufziehen der Hähnchen möglich.

Denn inzwischen ist es weit bekannt, dass die männlichen Küken aus der Hochleistungs-Legehennenzucht getötet werden. 50 Millionen sind es Jahr für Jahr. Die ökologische Tierzucht will das ändern. Ziel ist ein Zweinutzungshuhn, robust und angepasst an die ökologische Haltung, das genügend Eier legt, aber auch ausreichend Fleisch ansetzt für die Masthaltung. Am Projekt „ÖkoHuhn“ sind die gemeinnützige Ökologische Tierzucht gGmbH, die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und Bioland beteiligt. Die Ergebnisse des Forschungsverbunds sollen Biobetriebe künftig auch unabhängiger machen von den Hybriden der Geflügelkonzerne.

Um Verpackungen zu sparen, gibt es Eier in einigen Bioläden auch lose. In umweltschonenden Mehrweg-Boxen kommen sie sicher nach Hause. Dort kann das Färben beginnen, allerdings besser nicht mit gängigen Eierfarben. Sie enthalten meist künstliche Farbstoffe wie Azorubin (E 122) und Chinolingelb (E 104), die durch die Schale ins Eiweiß gelangen und allergieähnliche Reaktionen wie Hautrötungen und Juckreiz hervorrufen können. Mit Naturfarben – fertig aus dem Bioladen oder selbst hergestellt aus Zwiebeln, Roter Bete, Heidelbeersaft und Kamille – kann es dann bald heißen: Frohe Ostern!


Champignons haben immer Saison!

Pilz des Jahres 2018: der Wiesenchampignon

Der Frühling naht, aber bis zur neuen Ernte braucht es noch ein wenig Geduld. Eine willkommene Abwechslung bringen da frische Bio-Champignons. Sie sprießen am besten in abgedunkelten Räumen und werden somit unabhängig von den Jahreszeiten geerntet. 2018 ist zudem das Jahr des wilden Verwandten: Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat den Wiesen-Champignon zum „Pilz des Jahres 2018“ gewählt. Damit macht die Organisation darauf aufmerksam, dass der Lebensraum Wiese stark bedroht ist durch die intensive Grünlandnutzung in der konventionellen Landwirtschaft mit zu viel Stickstoffdünger, Pflanzenschutzmittel und Gülle. Die Folge sind nicht nur zu hohe Nitratwerte an vielen Trink- und Mineralwasserbrunnen, sondern eben auch ein Rückgang von typischen Pilzen, Blumen und Insekten des Lebensraums Wiese.

 

Wie seine wilden Verwandten gedeiht der Kultur-Champignon nur auf dem richtigen Nährboden. In der Bio-Zucht ist das immer ein natürliches Substrat. Stroh und Mist müssen von Bio-Betrieben stammen, Holz muss unbehandelt sein. Dadurch lagern die Pilze keine Rückstände ein, weder die im konventionellen Ackerbau üblichen Wachstumsregler aus dem Stroh noch Pestizide. Unerwünschte Keime werden mit heißem Wasserdampf abgetötet.

Der leicht mandelartige Geschmack des Champignons macht ihn zum idealen Begleiter von vielen Gemüsesorten. Besonders lecker ist die Kombination mit Wirsing, ob überbacken mit Salbei, Safran und Reis oder im Risotto. Klassisch passen Pilze gut zu Kräuterpfannkuchen oder Omelette oder zu Pasta in einer Rahmsauce. Für etwas Frühlingsahnung empfiehlt sich eine Kressesuppe mit Champignons oder ein Champignon-Spinat-Salat mit frischem Bärlauch und Radieschen.

Foto ©Svetlana-stock.adobe.com

Pestizide – besonders für Kinder eine Gefahr

Pestizide in der Umwelt belasten vor allem Kinder

„Sachgerechter Umgang“ kann die Risiken von Pestiziden verringern – das jedenfalls wollen uns Agrarindustrie und Chemielobby immer wieder glauben machen. Tatsächlich sind weltweit jedes Jahr Millionen Menschen von Pestizidvergiftungen betroffen – und besonders bedroht sind Kinder. Darauf weist jetzt UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, mit einem Positionspapier hin.

Die UN-Organisation erinnert daran, dass Kinder viel anfälliger als Erwachsene sind, denn sie befinden sich noch in der Entwicklung. Zudem sind Leber und Nieren noch nicht voll entwickelt und können Schadstoffe weniger gut filtern als bei Erwachsenen. Viele Pestizide beeinträchtigen auch die geistige Entwicklung, da sie Hirnfunktionen und das Nervensystems beeinflussen. Da einige Pestizide das Erbgut verändern, werden sogar künftige Generationen geschädigt. Mangelnde Aufklärung vor allem in Entwicklungsländern, unsichere Anwendungstechniken und falsche Lagerung erhöhen das Risiko für Kinder laut UNICEF zusätzlich. Sie würden über Boden, Nahrung Luft und Wasser mit den Schadstoffen belastet, aber auch schon als Embryo während der Schwangerschaft und in der Stillzeit über die Muttermilch. Das UN-Kinderhilfswerk weist außerdem darauf hin, dass mehr als 70 Prozent der Kinderarbeit weltweit in der Landwirtschaft stattfindet. Weltweit seien 108 Millionen Mädchen und Jungen den oft gefährlichen Arbeitsbedingungen ausgesetzt, nicht selten im direkten Kontakt mit Pestiziden.

UNICEF nennt die Agrar-Ökologie einen der effektivsten Wege, Pestizide zu vermeiden. Das Zusammenspiel von Pflanzen, Tieren, Menschen und Umwelt begrenze die Schädlinge. Auch die UN-Ernährungsorganisation FAO hält es für erfolgversprechender, Schädlinge nicht auszurotten, sondern zu managen. Der moderne Biolandbau beweist, wie es funktionieren kann - zum Wohle von Kindern, Erwachsenen und unserer Umwelt.

Lesetipp: Im oekom verlag ist gerade das Buch „Die Pestizidlüge. Wie die Industrie die Gesundheit unserer Kinder aufs Spiel setzt.“ erschienen. Autor André Leu, langjähriger Präsident der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM), zeigt darin auch Wege in eine pestizidfreie Landwirtschaft auf.

Foto: ©Diana Kosaric - stock.adobe.com

Halb so viel Fleisch, dafür gute Qualität

Klasse statt Masse - besonders beim Fleisch

Herrje, welche Aufregung gab es 2013 um den „Veggie Day“! Damals schlugen die Grünen vor, dass in Kantinen an einem Tag pro Woche kein Fleisch serviert wird. Ginge es nach dem neuen „Fleischatlas 2018“, bliebe die Fleischküche sogar an zwei bis drei Wochentagen kalt. Entscheidende Klima- und Naturschutzziele seien anders nicht zu erreichen, so die Autoren. Kein anderer Sektor trage so massiv zum Verlust der Artenvielfalt, der Rodung von Wäldern und der Zerstörung unseres Klimas, der Gefährdung unserer Gesundheitssysteme und zum Leid der Tiere bei wie die industrielle Fleischproduktion. Sollen die Ziele der globalen Nachhaltigkeitsagenda 2030 und des Pariser Klimaabkommens erreicht werden, müsse die Fleischproduktion grundlegend umgebaut und der Fleischkonsum gedrosselt werden.

Immer mehr Menschen in Deutschland sind dazu bereit - und immer mehr wundern sich, dass die Politik so wenig tut. Der Fleischatlas nennt politische Instrumente, mit denen eine umweltschonendere Tierhaltung und ein geringerer Fleischkonsum erreichbar wären. Dazu zählen eine verpflichtende staatliche Kennzeichnung der Art der Tierhaltung bei Fleisch und Wurst, vergleichbar der Eier-Kennzeichnung, die immerhin dazu geführt hat, dass Eier aus Käfighaltung ausgelistet wurden. Notwendig sei auch eine Rundumerneuerung der EU-Agrarpolitik: Die dafür bereitstehenden 60 Milliarden Euro müssten künftig vorrangig in eine ökologische und tiergerechte Landwirtschaft fließen. Ein weiterer Vorschlag ist im Ökolandbau bestens bekannt und von jeher Vorschrift: die Begrenzung der Tiere pro Fläche, damit Böden und Wasser nicht zu stark mit Nitrat belastet werden.

Aber auch die Verbraucher sind gefragt: Jeder Deutsche hat 2016 durchschnittlich 59 Kilogramm Fleisch gegessen, zwar rund eineinhalb Kilogramm weniger als im Vorjahr, jedoch kaum weniger als zehn Jahre zuvor. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt höchstens die halbe Menge – und stützt damit die Linie des Fleischatlas, wenn auch aus gesundheitlichen Gründen. Es gibt also viele Gründe, besonders beim Fleisch auf „Klasse statt Masse“ zu setzen.

Der Fleischatlas 2018 ist eine gemeinsame Veröffentlichung der Umweltorganisation BUND, der Heinrich-Böll-Stiftung und der Zeitung „Le Monde Diplomatique“. Auch eine gedruckte Fassung kann auf den Webseiten der Herausgeber bestellt werden.

Foto (C) Coverausschnitt "Fleischatlas"