Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 2/2018

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Schokoladig dampft es aus dem Becher


Wenns draußen kalt ist, wärmt heiße Schokolade!

Schön dunkel, nicht zu süß, dickflüssig und cremig – so gut wird ein heißer Kakao nur mit echter Schokolade. Gibt sich der Februar mal wieder nass, grau und kalt, dann wärmt heiße Schokolade auch die Seele. Für zwei Tassen eine Tafel hochwertige Zartbitter-Schokolade in 150 Milliliter Milch, Mandel- oder Sojadrink langsam schmelzen lassen. Für ein besonderes Aroma duftende Gewürze wie Kardamom, Sternanis, Zimt, Vanille oder Gewürznelken kurz mit erwärmen, einen Hauch Chili oder etwas Ingwer hinzufügen. Die fertige Schokolade in Lieblingstassen gießen, vielleicht noch eine Sahnehaube aufsetzen und die Filmmusik von „Chocolat“ anstellen… Mmmmh.

Wenn es schneller gehen soll: Von Bio-Schoko-Spezialisten wie Naturata, Rapunzel und Vivani gibt es „Trinkschokolade“ mit einem hohen Anteil an entöltem Kakao. Koawach komponiert die hauseigene Trinkschokolade zusätzlich mit koffeinhaltigem Guaranasamen-Pulver. Noch schneller, weil leicht löslich, sogar in kalter Milch: Bio-Instant-Kakaopulver wie „Kavi Quick“ und „Tiger Quick Instant“. Sie sind zwar deutlich süßer als Trinkschokolade, bieten aber deutlich mehr Genuss als konventionelle Instantpulver, die bis zu 80 Prozent Zucker und meist zusätzliche Aromen und Emulgatoren enthalten, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Organismen hergestellt sein können.

Bio-fairer Kakao sorgt außerdem für gute Lebensbedingungen und eine nachhaltige Landwirtschaft in den tropischen Kakao-Anbaugebieten. Denn leider sind im konventionellen Kakaoanbau Kinderarbeit und geringe Einkommen noch immer an der Tagesordnung, ebenso massiver Chemikalieneinsatz gegen Schädlinge und Pilzkrankheiten. Bio-Landwirte setzen dagegen auf Misch- statt auf Monokulturen und erhalten so das natürliche Ökosystem mit seinen Pflanzen, Tieren und Bodenlebewesen. Eine gute Basis für gute Kakaobohnen und gute Schokolade - und damit für schokoladigen Genuss ohne Nebenwirkungen.
Foto:©al62 (Fotolia)

Das Jena-Experiment: Alles ist mit allem verbunden


Artenvielfalt ist für Ökosysteme sehr positiv

Tier- und Pflanzenarten verschwinden mit rasanter Geschwindigkeit, und ökologische Netze zerreißen, weil wir mit Landwirtschaft, Industrie, Wohnungsbau und Verkehr immer stärker Einfluss nehmen auf die Natur. Das 2002 gestartete Jena-Experiment soll klären, was passiert, wenn Arten verschwinden und aus Vielfalt Eintönigkeit wird. Dazu legten Wissenschaftler in Thüringen über 500 Versuchsparzellen an, auf denen sie mal nur eine, mal bis zu 60 verschiedene Wiesenpflanzen aussäten – verschiedene Graslandgesellschaften im Miniaturformat. In den letzten 15 Jahren wurden über 85.000 Messungen durchgeführt und unter anderem Böden, Mikroorganismen, Pflanzen und Insekten analysiert.

Neue Zwischenergebnisse der Langzeitstudie zeigen jetzt, dass eine hohe Artenvielfalt etwa 45 Prozent der Ökosystemfunktionen positiv beeinflusst. Ein Beispiel ist der Wasserkreislauf. Artenreiche Wiesen konnten Oberflächenwasser besser aufnehmen und waren somit widerstandsfähiger gegenüber Trockenzeiten und Überschwemmungen. Außerdem hat Artenvielfalt einen positiven Effekt auf das Vorkommen anderer Arten wie Insekten und auf die Häufigkeit von Bestäubungen. Auf artenreichen Flächen war nach etwa vier Jahren zudem eine Steigerung der Kohlenstoffspeicherung im Boden nachweisbar, ebenso eine höhere Anzahl und Vielfalt an Bodenorganismen. Diese kostenlosen Leistungen der Natur nennen Fachleute „Ökosystem-Dienstleistungen“. Die Natur streicht diese kostenlosen Leistungen jedoch zusammen, wenn die Vielfalt flöten geht. Das Jena-Experiment beweist also: Wir sind auf funktionierende und artenreiche Ökosysteme angewiesen, damit wir saubere Luft und sauberes Wasser, fruchtbaren Boden und Nahrung genießen können.

Betrachtet man Wiesen außerhalb des Jena-Experiments in der konventionellen Landwirtschaft, dann zeigt sich, dass sich allein durch das häufige Mähen und Düngen die Vielfalt verringert und unerwünschte Arten wie der Giersch die Herrschaft übernehmen. Der Biolandbau sorgt dagegen auf Wiesen und Feldern für deutlich mehr Wildpflanzen und Tierarten: Nach einer umfassende Analyse von 66 wissenschaftlichen Studien beherbergen Bioflächen im Schnitt 30 Prozent mehr Arten und 50 Prozent mehr Individuen.
Foto © K.-U. Häßler

Frucht-Fleisch aus der Jackfruit


Nicht nur in Asien ein Hit: die Jackfruit

Es gibt einen neuen Star bei Instagram und Pinterest, und man kann ihn sogar essen: Die Rede ist von der tropischen Jackfruit, deren Fruchtfleisch in Rezepten wie „Veganer Burger mit Pulled Jackfruit“, „Teriyaki Jackfruit Sushi Bowl“ oder „Wrap gefüllt mit Jackfruit Curry“ als neuer Fleischersatz Karriere macht.

Im Bio-Fachhandel gibt es küchenfertig vorbereitete Jackfruit-Würfel, zum Beispiel fertig mit Marinade von LoTao, getrocknet von Govinda und pur von Jacky F. Verarbeitet wird dafür die unreife Frucht. Sie hat wenig Eigengeschmack, aber die faserige Konsistenz ähnelt der von Hähnchenfleisch, so dass sich daraus Frikassee und Currys zaubern lassen, aber auch Pfannengerichte, Taco-Füllungen oder bunte Buddha Bowls. Entscheidend sind die Gewürze, scharfes Anbraten sorgt zusätzlich für Röstaromen.

 

Jackfruit enthält reichlich Ballaststoffe sowie Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium. Die fleischähnliche Konsistenz überzeugte in Tests auch Nicht-Vegetarier, und für Soja- und Weizen-Allergiker ist Jackfruit eine gute Alternative zu Tofu, Tempeh und Seitan. Weiterer Pluspunkt: Es ist keine aufwendige Verarbeitung nötig. Die Jackfruit-Stückchen werden lediglich in Salzlake und Limettensaft eingelegt. Aber erst ökologisch produziert und fair gehandelt wird Jackfruit zum echten Star. Daher hat das junge Bio-Unternehmen Jacky F. 2017 erfolgreich ein Crowdfunding durchgeführt, um eine Kooperative mit rund 300 Kleinbauern im Norden Sri Lankas zu trainieren und bei der Bio-Zertifizierung zu unterstützen.

Reife Jackfruits gibt es in tropischen Ländern wie den Philippinen oft an Straßenständen. Die kürbisgroßen Baumfrüchte wiegen bis zu 20 Kilogramm. Der Geschmack erinnert entfernt an Banane, Ananas und Feigen. Man kann sie auch zu Gelee, Trockenobst, Eis oder Pickles verarbeiten. Der Jackfruit-Baum gehört zur Familie der Maulbeergewächse. Hauptanbaugebiete sind Indien, Bangladesh, Thailand, Indonesien, Sri Lanka und Nepal.
Foto ©napior (Fotolia)

Endlich weniger Plastik in Europa?


Kampf dem Plastikmüll - Mehrweg ist eine Alternative!

Gigantische „Müllstrudel“ im Meer, Mikroplastik in Fischen und in Vögeln – Plastik ist inzwischen fast überall und bedroht Umwelt und Gesundheit. Die EU-Kommission hat daher im Januar eine „Plastikstrategie“ vorgestellt. Alle Plastikverpackungen in der EU bis 2030 sollen recycelbar sein, und eine sortenreinere Sammlung soll die Verwertung von Kunststoffen einfacher und billiger machen. Außerdem will die EU-Kommission Einwegplastik reduzieren und Mikroplastik in Kosmetik und anderen Produkten beschränken.>

Der Plastikverbrauch ist in den vergangenen Jahrzehnten weltweit explodiert und könnte sich nach aktuellen Schätzungen bis 2050 noch einmal vervierfachen. Bisher wurde fast die Hälfte des EU-Plastikmülls nach China transportiert. Damit ist nun Schluss: Die chinesische Regierung hat im Januar den Import weitgehend gestoppt. Die 2015 eingeführten EU-Maßnahmen für weniger Plastiktüten waren durchaus erfolgreich. „Entsprechende Schritte müssen nun für andere Anwendungen wie Einweg-Plastikflaschen und To-Go-Becher folgen“, fordert die Umweltorganisation NABU. Zusätzlich müssten mehr wirtschaftliche Anreize geschaffen werden. Eine EU-weite Plastiksteuer ist zwar vorerst vom Tisch, könnte aber künftig das Vermeiden von Kunststoff und besseres Recycling voranbringen. Für Deutschland sei auch eine Getränkeverpackungssteuer zur Stärkung von Mehrwegverpackungen denkbar, heißt es beim NABU.

Im Bio-Fachhandel gibt es traditionell ein großes Angebot an Getränken und Joghurt in Mehrwegglasflaschen und -gläsern und Naturkosmetik ganz ohne Mikroplastik. Außerdem bieten viele Bio-Fachgeschäfte Mehrwegtaschen und Mehrwegnetze für Obst und Gemüse, und Brot und Brötchen können in Baumwollbeutel gepackt werden. In manchen Läden gibt es sogar Mehrweglösungen an der Frischetheke oder lose Bio-Ware zum Selbstabfüllen wie Reis, Müsli, Nudeln und Reinigungsmittel. Und natürlich seit jeher Gurken und Tomaten, Äpfel und Kiwis lose statt in Plastik verpackt!
Foto (c) NABU/Felix Paulin

Der online Zauberwürfel solver hilft dir, die Lösung für dein ungelöstes Puzzle zu finden. Geben Sie die Farben des verwürfelten Puzzles ein und das Programm wird Ihnen die Lösung erzählen.

Schnippschnapp mit der CRISPR-Schere: Keine Gentechnik?


CRISPR-CAS & Co.: Neue Gentechnik durch die Hintertür

Ist das schon Gentechnik oder kann das ohne Genehmigung auf den Acker? Für die internationale Biobranche und die meisten Biolandwirte und Bio-Hersteller ist klar: Das Verändern des Erbguts von Pflanzen und Tieren mit der „Gen-Schere“ CRISPR und andere neue Methoden sind Gentechnik. Damit bearbeitete Pflanzen würden somit grundsätzlich unter das Gentechnikrecht fallen und das bedeutet: Mais, Soja und Co. dürften nicht auf den Acker oder in die Lebensmittelproduktion ohne gründliche Risikobewertung für Gesundheit und Umwelt. Außerdem wäre wie bei anderen gentechnisch veränderten Produkten eine Kennzeichnung erforderlich. Das wäre ganz im Sinne der Mehrheit der Verbraucher: 80 Prozent der Menschen in der EU wollen wählen können, ob sie Produkte essen, die gentechnisch verändert sind.

Die Agrokonzerne sehen das ganz anders, denn jedes Zulassungsverfahren kostet viel Geld. Daher möchten sie die neuen Verfahren des „Gen Editing“ nicht als Gentechnik, sondern als neue Formen der sogenannten Mutationszüchtung deklarieren, die bisher mit Hilfe von Chemikalien und Röntgenstrahlung Gene veränderte. Sie ist in der EU erlaubt und muss nicht extra genehmigt werden Der Europäische Gerichtshof (EuGH) wird in den nächsten Monaten entscheiden, wie die neuen Methoden eingestuft werden sollen. Vorab hat gerade der EuGH-Generalanwalt seine Sicht der Dinge veröffentlicht und dabei immerhin bestätigt, dass als Gentechnik nicht nur Methoden zu bezeichnen sind, bei denen wie bei der „alten Gentechnik“ fremde DNA in die Zellen eingeschleust wird. Auch das Verändern der Erbinformation auf eine Weise, wie es natürlich nicht vorkommt, gehöre dazu.

Der EuGH könnte allerdings trotzdem zum Schluss kommen, dass das geltende EU-Gentechnikrecht die neuen Methoden des Gen Editing nicht erfasst. Dann wäre das Vorsorgeprinzip in akuter Gefahr und Brüssel müsste neue Regeln verabschieden, um Verbraucher zu schützen. Denn genau wie die „alte Gentechnik“ greifen auch die neuen Methoden tief in das Erbgut von Pflanzen und Tieren ein. Bei der angeblichen Präzision und Sicherheit handelt es sich um einen modernen Mythos, der kaum wissenschaftlich belegt ist. Eine Freisetzung in die Umwelt ohne Risikobewertung wäre somit verantwortungslos, zudem sich die Organismen nicht zurückholen ließen. Eine sichere Alternative zu konventionellen und gentechnischen Züchtungstechniken ist die ökologische Züchtung. „Bio von Anfang an“ bedeutet Bio-Sorten, bestens angepasst an den Biolandbau, ganz ohne Risikotechnologie.
Foto ©Gernot Krautberger