Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 10/2017

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Glyphosat: Ist ein Ende in Sicht?


Glyphosat - ein Fluch für Umwelt, Mensch und Tier ©Bobo

Glyphosat ist hoch umstritten – nun gilt dies auch für das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Im Auftrag der österreichischen Umweltschutzorganisation Global 2000 hat der bekannte Plagiatsprüfer Stefan Weber die Glyphosat-Bewertung der Behörde analysiert. Er kam zu dem Schluss, dass wesentliche Angaben von Herstellern des Herbizids wörtlich übernommen wurden. Das BfR habe keine eigenständige Bewertung der zitierten Studien vorgenommen, stattdessen seien über zahlreiche Seiten hinweg Textpassagen praktisch wörtlich übernommen worden. Das systematische Unterlassen von Quellenangaben und das gezielte Entfernen von Hinweisen auf die tatsächlichen Verfasser lasse sich "nur als bewusste Verschleierung ihrer Herkunft deuten". Das BfR nennt die Vorwürfe „haltlos“ und erklärt, die Studien seien gemäß den gesetzlich etablierten Verfahren geprüft und bewertet worden.

Die Zulassung für Glyphosat läuft zum Jahresende aus. Die BfR-Bewertung ist die wissenschaftliche Grundlage für eine Verlängerung um weitere zehn Jahre, wie sie die EU-Kommission vorschlägt. Greenpeace hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt aufgefordert, gegen eine weitere Zulassung zu stimmen, und der NABU verlangt eine Neubewertung des Pflanzengifts im EU-Zulassungsverfahren, die die Leitlinien der guten wissenschaftlichen Praxis erfüllt. Darüber hinaus müssten in allen Zulassungsverfahren für Pestizide die ökologischen Auswirkungen realistischer beurteilt werden als bisher. Die dramatischen Rückgänge in der Vogel- und Insektenwelt seien ein deutliches Zeichen, dass mit den bisher zur Bewertung eingesetzten Arten keine aussagekräftige Wahl getroffen wurde. Insgesamt sei ein Umsteuern in der Landwirtschaft überfällig.

Glyphosat ist Basis der meisten Unkrautvernichtungsmittel und wird in der konventionellen Landwirtschaft großflächig ausgebracht, um Felder unkrautfrei zu machen. Das Abtöten der Beikräuter entzieht vielen Insekten und damit auch den Feldvogelarten die Nahrungsgrundlage.

Bunte Möhren für die Herbstküche


Bringen Geschmack und Farbe auf den Teller ©Floydine

Herbst bringt Rüben: Steckrüben, Rote Bete und bei den Möhren immer mehr Sorten in Orange, Violett, Weiß und Gelb, mal eher süß, mal nussig oder kräftig würzig. Im Bio-Fachgeschäft gibt es eine große Auswahl aus der Region, das garantiert Frische und einen kleinen ökologischen Fußabdruck. Die ökologische Gemüsezüchtung sorgt dafür, dass die Sortenvielfalt auf Bio-Möhrenfeldern weiter wächst. Ziel sind samenfeste Sorten mit Charakter, die weiter vermehrt werden können. Rodelika, Robila und Milan waren die ersten Möhren aus Bio-Züchtung mit eigenem Namen. Inzwischen haben sich weitere wie Oxhella und Leira hinzugesellt, dank geduldiger und engagierter Arbeit von Bio-Züchtern und Vereinen wie dem Kultursaat e.V.und Saat:gut e.V.. Diese Sorten sind gut an den Bio-Anbau angepasst und haben mehr Trockenmasse, schmecken also intensiver und enthalten mehr Nährstoffe.

Weil sie sich gut lagern lassen, kann man immer einen Möhrenvorrat im Haus haben und daraus zum Beispiel ein wärmendes Ratatouille mit Zwiebeln, Champignons, Thymian und Lorbeer zaubern. Besonders viel Aroma entwickeln Möhrenscheiben, wenn man sie auf dem Backblech mit Olivenöl und wahlweise Kräutern oder Koriander röstet, bis sie weich und leicht gebräunt sind. Karotten harmonieren mit vielen Gewürzen und Zutaten. Wer es asiatisch und etwas schärfer mag, kombiniert mit Chili, Ingwer und Knoblauch, zum Beispiel in einem Curry mit roten Linsen oder in einer Kokos-Cremesuppe. Mit Kreuzkümmel oder der Gewürzmischung Ras el Hanout wird’s orientalisch, zum Bespiel zu Couscous oder Bulgur oder als Pilaw mit Reis, Knoblauch, Zwiebel, Mandeln, Rosinen und Minz-Joghurt. Auf jeden Fall sollten Möhren immer zusammen mit etwas Fett, zum Beispiel Pflanzenöl, Butter, Crème fraîche oder Nüssen, gegessen werden, damit der Körper aus dem reichlich enthaltenen Beta-Carotin Vitamin A produzieren kann – wichtig für Haut und Sehvermögen.

Mineralwasser, das Wasser schützt


Gutes Wasser braucht eine intakte Umwelt ©arucik1

In den meisten Regionen Deutschlands hat Trinkwasser hohe Qualität, auch bei Mineralwasser werden selten Grenzwerte überschritten. Allerdings lässt der Gesetzgeber für Leitungs- und Mineralwasser bis zu 50 Milligramm Nitrat pro Liter zu, und einige Schadstoffe müssen gar nicht erfasst werden. Denn die gesetzlichen Vorschriften stammen aus einer Zeit, als die Umwelt noch weniger belastet war. Inzwischen gelangen durch die intensive Landwirtschaft immer mehr Rückstände von Pestiziden und Düngemitteln in wasserführende Bodenschichten.

 

Um Wasser kennzeichnen zu können, das strengeren Reinheits- und Qualitätsstandards genügt, gibt es seit 2012 das Zertifikat Bio-Mineralwasser, überwacht von der Öko-Kontrollstelle BCS Öko-Garantie GmbH. Dafür müssen die Abfüller 45 Kriterien einhalten. Die Grenzwerte für einige Schadstoffe liegen deutlich unter denen der Mineralwasserverordnung, und Rückstände von Pestiziden, deren Abbauprodukte, Arzneimittel oder synthetische Süßstoffe dürfen nicht nachweisbar sein. Verboten ist es, unerwünschte Inhaltsstoffe mit Ozon oder Fluorid mit Hilfe von Aluminiumoxid zu entfernen. Vergeben wird das Zertifikat von der Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e.V., die 2008 von Neumarkter Lammsbräu gegründet wurde. Das Siegel tragen unter anderem die Marken Bio-Kristall und Rheinsberger Preussenquelle, die beide im Bio-Fachhandel erhältlich sind.

Die zertifizierten Unternehmen verpflichten sich darüber hinaus zu ökologischem und sozialem Engagement. Dazu zählt, dass sie ein Umweltmanagementsystem einrichten, ihren Treibhausgasausstoß kontinuierlich verringern und sich nachweislich für den Wasserschutz engagieren, insbesondere durch die Förderung des Ökolandbaus in ihrem Einzugsgebiet. Bio-Mineralwasser ist somit nicht nur ein „Reinheitsgebot für Wasser“, sondern auch ein umfassendes Wasserschutzkonzept. Wie dringend das gebraucht wird, zeigt das Schwarzbuch Wasser, das die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser im Sommer veröffentlicht hat. Danach sind 36 Prozent der Grundwasserkörper in chemisch schlechtem Zustand, und an 28 Prozent aller Grundwasser-Messstellen wird der Nitratgrenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten.

„Keimfrei“ putzen kann krank machen


Auch beim Putzen ist weniger mehr ©Wayhome Studio

„Keimfrei“, das scheint sauber und gesund zu bedeuten. Und so wirft die Industrie auch ständig neue Produkte auf den Markt, um von der Angst vor Krankheiten zu profitieren, darunter Hygienesprays und -gele, antibakterielle Waschmittel, Desinfektionstücher und sogar antibakterielle Mülltüten und Socken. Werbespots schüren zusätzlich die Angst vor Keimen. Das Robert Koch-Institut und auch das Umweltbundesamt raten allerdings schon lange von Desinfektionsmitteln im Haushalt ab, denn sie sind eher ein Gesundheitsrisiko als eine Hilfe. So steht Triclosan, das in antibakterieller Zahnpasta, Reinigungstüchern und Deos enthalten sein kann, im Verdacht, den Hormonhaushalt zu stören und die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Übertriebene Hygiene begünstigt zudem Allergien bei Kindern. Besonders gefährlich: Der ständige Einsatz von Desinfektionsmitteln trägt dazu bei, dass Mikroorganismen resistent werden gegen die Wirkstoffe, die dann im Ernstfall wirkungslos sind.

Wer im Haushalt nur normale Seife und Putz- und Waschmittel benutzt, ist genauso gut vor Infektionen geschützt, wie Langzeitstudien zeigen. Wer sicher gehen will, zum Beispiel bei Küchentüchern und Handtüchern, vernichtet Keime am besten durch heißes Waschen. Etwas mehr als 60 Grad Celsius reichen im Normalfall. Für den Haushaltsputz genügen wenige Mittel. Vorsicht jedoch mit konventionellen Reinigern: Sie enthalten Tenside auf Erdölbasis, die schlecht abbaubar sind, synthetische Lösemittel, Farbstoffe, Duftstoffe und Konservierungsmittel. Die beste Wahl für Umwelt und Gesundheit sind ökologische Reiniger mit milden Tensiden auf Basis natürlicher Fette und Zucker, zum Beispiel mit Seifen aus Pflanzenölen oder Zuckertensiden. Anbieter im Bio-Fachhandel sind zum Beispiel Sodasan, Almawin und Sonett

Saathafer - gesund für Haut und Magen


Saathafer: Arzneipflanze des Jahres 2017 ©laguna35

Arzneipflanze des Jahres 2017 ist der Saathafer. Wer dabei zuerst an Haferflocken denkt, liegt gar nicht falsch. Aber das Getreide kann viel mehr, als in seinen vielfach verzweigten Rispen gesunde Körner zu produzieren. So werden Extrakte des Haferkrauts bei Hautleiden eingesetzt, denn es enthält entzündungshemmende Flavonoide und Saponine. Haferstroh-Sud wird für Bäder verwendet, die bei Hautverletzungen und Juckreiz helfen können. Auch in der Naturkosmetik wird Hafer verwendet, zum Beispiel für Lotionen, Shampoos und Reinigungsmilch. Weil sogar bei der Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen und bei der Vorbeugung von Arteriosklerose und Diabetes Typ 2 gute Erfahrungen gemacht wurden, hat der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg den Hafer zur Arzneipflanze 2017 erkoren.

Das Haferkorn selbst ist der Star unter den Getreidesorten, denn es enthält eine hochwertige Proteinmischung, viel Vitamin B und Mineralstoffe sowie reichlich Beta-Glucane. Diese löslichen Ballaststoffe wirken sich positiv auf Verdauung, Stoffwechsel und auf den Cholesterinspiegel aus. Im Bio-Fachgeschäft ist Hafer in großer Vielfalt zu entdecken: im Frühstücksbrei und im Müsli, als Haferdrink und Hafersahne, in Haferbrot und Hafergebäck – und natürlich als Haferflocken. Ob Sie daraus würzige Bratlinge, Pfannkuchen, „Overnight Oats“ oder lieber ein Hafer-Parmesan-Schnitzel zubereiten, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen.

Hafer war übrigens bis ins späte Mittelalter hinein unser wichtigstes Grundnahrungsmittel. Weil das Getreide nicht so ertragreich ist, wurde es jedoch von Kartoffeln und Weizen verdrängt. Heute bemühen sich ökologische Züchter, neue Sorten zu entwickeln, die resistent gegen den Flugbrand sind und gute Erträge im Biolandbau erbringen. Denn grundsätzlich ist Hafer ideal für die Biolandwirtschaft: Er stellt wenig Ansprüche an den Boden, durchwurzelt ihn gut und lässt dem Unkraut wenig Platz zum Wachsen.