Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 9/2017

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Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Das gute Frühstücksei aus dem Bio-Fachhandel


Mit Bio auf der sicheren Seite - (c)Stockfotos-MG

Bei Millionen von Eiern wurde in den letzten Wochen das Insektengift Fipronil nachgewiesen. Verzweigte und intransparente Warenströme im internationalen Handel erschweren die Aufklärung, und so ist immer noch unklar, seit wann und auf welchen Wegen das Desinfektionsmittel mit dem illegal zugesetzten Fipronil in Hühnerställe gelangte. Klar ist aber, dass Sie beim Eierkauf im Naturkostfachhandel beruhigt zugreifen können. Nach intensiven Recherchen kann ausgeschlossen werden, dass Eier mit Fipronil-Rückständen in Bio-Fachgeschäfte und Bio-Supermärkte in Deutschland gelangt sind.

Hauptgrund ist, dass die Eier bevorzugt von selbständigen bäuerlichen Bio-Betrieben in der Region stammen. Naturkost-Großhändler und Ladeninhaber wählen verantwortungsbewusste Handelspartner, und Sie als Kunde können sich jederzeit die Namen der Lieferanten nennen lassen oder sich bei einer Führung oder bei Hoffesten sogar selbst ein Bild machen. Viele der Legehennen-Betriebe, die Eier für den Bio-Fachhandel produzieren, sind zusätzlich zertifiziert von Bio-Anbauverbänden, die höhere Anforderungen an die Tierhaltung und das Futter stellen als die EU-Öko-Verordnung. Viele investieren darüber hinaus in innovative und artgerechte Tierhaltung wie Wintergärten oder Mobilställe.

Lassen Sie sich also ihr Frühstücksei schmecken, genießen Sie ein frühherbstliches Kräuter-Omelett mit Pilzen oder bereiten Sie eine Gemüsequiche mit Kürbis, Fenchel, Chinakohl, Pastinaken oder Lauch und einem Eier-Sahne Guss zu. Guten Appetit!

Wählen gehen – damit Bio „mitregiert“


Wählen Sie BIO - (c) stockWERK

Landwirtschaft, nachhaltiges Wirtschaften, ein weitsichtiger Umgang mit natürlichen Lebensgrundlagen? Die Moderatoren des Rededuells mit Angela Merkel und Martin Schulz haben diese Themen nicht aufgegriffen, obwohl Bio- und Umweltverbände dazu in einem Offenen Brief noch einmal ausdrücklich aufgerufen hatten. Es war ein Wahlkampf, in dem „Überlebensthemen“ wie Klimawandel und eine nachhaltige Nutzung unserer Ressourcen kaum eine Rolle spielten.

Aber es gibt ja noch den entscheidenden Tag – den Wahltag: Fast ein Drittel aller Wählerinnen und Wähler entscheidet erst kurz zuvor, ob sie überhaupt wählen gehen und für wen sie stimmen. Viele Bio- und Umweltverbände nutzen daher die Chance, Klimaschutz, Tierwohl und gesunde Ernährung insbesondere in den Sozialen Medien, auf Twitter und auf Facebook, noch einmal zur verdienten Aufmerksamkeit zu verhelfen und möglichst viele Menschen zu motivieren. Denn die ökologische Lebensmittelwirtschaft sorgt für „Mehrwerte“ auf vielen Ebenen, zum Beispiel beim Schutz vor Pestiziden, beim Grundwasserschutz und durch das Schaffen von Arbeitsplätzen in ländlichen Regionen. Aber die Branche braucht politische Rahmenbedingungen, die nachhaltiges Wirtschaften fördern. Jede Stimme zählt also, damit „Bio mitregiert“.

Zitronen – gut in Grün und Gelb!


Auch grüne Früchte sind reif - (c) Naturkost Schramm

Warum sind Zitronen und Orangen im Bioladen oder Bio-Supermarkt hin und wieder etwas grün? Werden sie etwa unreif angeliefert? Keinesfalls! Die grüne Färbung sagt nichts über den Reifegrad aus, sondern ist tatsächlich die Folge von „zu schönem“ Wetter. Denn manchmal fehlt den Zitrusfrüchten etwas Kälte oder genauer: ein größerer Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht. Der nämlich löst einen chemischen Prozess aus, bei dem der natürliche grüne Farbstoff Chlorophyll abgebaut wird. Der optimale Reifegrad mit vollem Aroma wird aber trotzdem erreicht.

Weil nun aber viele Verbraucher eher zu gleichmäßig gelben Zitronen und intensiv-orangefarbigen Apfelsinen greifen, begasen konventionelle Anbieter die Früchte mit Ethylen, um ein „perfektes“ Produkt präsentieren zu können. In der Bio-Branche wird auf diese Methode verzichtet. Und natürlich auch auf Pestizide sowie Konservierungsmittel und Wachs auf der Schale.

Sie können Ihren täglichen Vitamin-Boost also ganz unbesorgt genießen. Zitrusfrüchte sind hervorragende Vitamin C-Quellen. Bereits mit einer Grapefruit oder Orange lässt sich der tägliche Bedarf decken. Zitronen bringen nicht nur Aroma ins Mineralwasser und in den Obstsalat, sondern verhindern auch, dass andere Obststückchen braun werden. Frische Orangenfilets machen sich gut in herbstlichen Salaten mit Endivie und Nüssen. Aber auch, wenn Sie ein Zitronenhühnchen oder eine Ofenforelle mit Zitrone und Rosmarin zubereiten möchten: Geben Sie Zitronen mit grünen Stellen eine Chance!

Mit den Füßen abstimmen – für eine gentechnikfreie Welt

Neue Verfahren der Gentechnik – auch Genome Editing genannt – drängen auf den Markt. Erste Produkte sind für 2021 angekündigt. Diese Verfahren sind aber bisher nicht gesetzlich geregelt. Der Naturkosthersteller Rapunzel hat daher mit Demeter, Naturland, Bioland und dem Bio-Dachverband BÖLW die Initiative FOODprintgestartet. Jeder kann dabei mit den Füßen abstimmen - für unveränderte Vielfalt statt genetisch veränderter Einfalt. Beim Eine-Welt-Festival von Rapunzel am 9. und 10. September hinterließen die ersten ihren Fußabdruck auf großen Stoffbahnen mit hautfreundlicher Kindermalfarbe „gestempelt“ oder mit Stiften als Umriss gezeichnet.

Zu den Kulturen, die bereits mit Hilfe des Genome Editing verändert werden, zählen Gerste, Raps, Mais, Soja, Champignons und Kartoffeln. In einem Positionspapier fordern die FOODprint-Organisatoren die Politik auf, Genome-Editing-Methoden offiziell zu regulieren und eine Kennzeichnung der Produkte festzuschreiben. Gentechnikfreie und ökologische Züchtung müsse gefördert werden, um die biologische Vielfalt zu erhalten. Genome Editing ist ein Sammelbegriff für neue gentechnische Verfahren wie CRISPR/Cas9, die direkt in das Erbgut von Lebewesen eingreifen und gezielt verändern. Obwohl die neuen Techniken unter die gesetzliche Definition von Gentechnik fallen, hat die Politik noch nicht entschieden, ob sie auch tatsächlich als Gentechnik geregelt werden. Das aber ist entscheidend, weil nur dann die so erzeugten Pflanzen das aufwändige Gentechnik-Zulassungsverfahren durchlaufen und gekennzeichnet werden müssen. Weil diese Zulassungsverfahren sehr teuer sind, möchten die großen Agrarkonzerne sie gern vermeiden.

Neue Filme für ein Umdenken bei der Ernährung


(c) mindjazz pictures

Gleich zwei neue Filme, die sich mit der Produktion von Lebensmitteln befassen: Am 14. September lief der Dokumentarfilm "The End of Meat - Eine Welt ohne Fleisch" an, der die Nutztierhaltung und Fleischproduktion kritisch betrachtet. Regisseur Marc Pierschel, der seit 15 Jahren vegan lebt, interviewt Philosophen, Wissenschaftler, Künstler und Aktivisten und reist in die erste vegetarische Stadt Indiens. Der Dokumentarfilm ist ein Gedankenspiel über eine Zukunft, in der Fleischkonsum der Vergangenheit angehört: Was tun mit den vielen Millionen Nutztieren, die auf der Welt leben? Wie wird künstliches Fleisch hergestellt? Wovon soll sich die Menschheit ernähren, wenn Fleisch als Lebensmittel wegfällt? Mediziner kommen zu Wort, die davon ausgehen, dass die Zahl kranker Menschen rasch schrumpfen würde, wenn wir uns pflanzlich ernährten. Auch auf das Klima würde sich ein Stopp der Tierhaltung positiv auswirken, meint Alfons Balmann vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung. Das liege vor allem daran, dass sie etwa für ein Drittel aller Klimagase verantwortlich sei.

Der Dokumentarfilm „What the Health: Wie Konzerne uns krank machen und warum niemand was dagegen unternimmt“ ist schon einige Wochen auf Netflix verfügbar, ab Ende September aber auch als DVD verfügbar. Es geht um die gesundheitlichen Auswirkungen der Ernährung mit tierischen Produkten, Korruption im Ernährungswesen und zweifelhafte Finanzierungsmodelle einiger Gesundheits- und Ernährungsorganisationen. In Interviews konfrontieren die Dokumentarfilmer Vertreter US-amerikanischer Lebensmittelkonzerne und Organisationen wie der American Diabetes Association mit unbequemen Fakten und Fragen. Wie kann es zum Beispiel sein, dass in den USA so viele Menschen stark übergewichtig sind, sogar schon Zehnjährige unter Arterienverstopfung leiden? Gut gemacht und voller Denkanstößen, aber manchmal zu einseitig im Umgang mit Studienergebnissen und bei den Schlussfolgerungen daraus. „What the Health“ wurde produziert von Kip Andersen und Keegan Kuhn, den Machern der preisgekrönten Doku „Cowspiracy“, die den Zusammenhang zwischen Umweltschäden und der Massentierhaltung zeigt.