Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 8/2017

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Tomaten – Sommer-Aroma pur


(c) karepa

Duftend, leuchtend, aromatisch: Jetzt gibt es die leckersten Bio-Tomaten des Jahres. Genuss pur von der Rispe oder klassisch mit Mozzarella und frischen Basilikum. Auch im Salat bleibt das Aroma voll erhalten – einfach und gut mit Zwiebeln und einem hochwertigen Olivenöl, oder mediterran kombiniert mit Gurke, Oliven, Wachsbohnen oder Paprika. Oder, wer es etwas experimenteller mag, mixt mit Staudensellerie und Wassermelone. Mit Bulgur oder Nudeln wird aus dem Tomatensalat eine erfrischende Mahlzeit – oder man schwelgt je nach Geschmack in Tomaten-Tarte, Tomaten-Risotto, Tomaten-Omelette …

Tomaten sind längst nicht mehr nur rot und kugelrund, sondern auch mal grün oder dunkelviolett, gestreift und oval oder groß und wellig wie die „Ochsenherzen“. Ökologische Züchter haben in den letzten Jahren samenfeste Sorten für den Anbau im Freiland entwickelt, die mit einer guten Resistenz gegen die Kraut- und Braunfäule, sparsamen Düngerbedarf und viel Aroma punkten. Sie eigenen sich auch fürs urbane Gärtnern, zum Beispiel auf dem Balkon. Eine gute Auswahl findet man bei Bingenheimer Saatgut. Eine ganz besondere Sorte ist die gelbe Sunviva aus dem ökologischen Freiland-Tomaten-Projekt der Universität Göttingen. Sie hat als erste Gemüsesorte eine „Open-Source-Lizenz“ erhalten und darf nun als Allgemeingut nach Belieben für weitere Züchtungen verwendet werden, denn es gibt keinen Sorten- und keinen Patentschutz - eine kleine Revolte gegen die Saatgut-Konzerne.

Tomaten sind übrigens nicht nur lecker, sondern auch reich an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Ein besonderes Plus: Bio-Tomaten enthalten mehr Antioxidantien als konventionelle, insbesondere den roten Farbstoff Lycopin. Diese Stoffe haben eine positive Wirkung auf die Gesundheit, denn sie schützen unsere Zellen vor Schäden.

Die „Goldene Acht“ braucht Luzerne und Klee


(c) BUND

Das Tagpfauenauge und den Kleinen Fuchs kennen viele - der Schmetterling des Jahres 2017 ist aber wohl vor allem Fachleuten ein Begriff. Denn die „Goldene Acht“ ist nur noch selten zu beobachten, weil die intensive Landwirtschaft ihre Lebensräume zerstört. Die Raupen ernähren sich von Luzerne, Klee und Wicken, und die Falter brauchen naturnahe blütenreiche Wiesen oder Weiden. Luzerne und Klee werden aber fast nur noch im Ökolandbau als Gründünger oder Viehfutter angebaut, während konventionelle Betriebe mit chemisch-synthetischen Düngemitteln düngen und Importsoja ans Vieh verfüttern.

Die Falter fliegen noch bis in den Oktober. Vielleicht entdecken Sie ja eine Goldene Acht auf blütenreichen Wiesen, Streuobstwiesen oder Trockenrasen. Dort ernähren sie sich vom Nektar der Pflanzen, die gerade blühen. Die Männchen sind gelb, die Weibchen grünlich-weiß. Charakteristisch ist der namensgebende achtförmige, rot umrandete Fleck auf der Flügel-Unterseite bei den Männchen. Dass der Schmetterling viele volkstümliche Namen wie „Posthörnchen“, „Weißklee-Gelbling“, „Gelber Heufalter“ oder „Kleegelbling“ trägt, deutet darauf hin, dass er früher sehr häufig vorkam. Heute steht die Goldene Acht in Nordrhein-Westfalen und einigen anderen Bundesländern auf der Roten Liste.

Die BUND NRW Naturschutzstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen küren seit 2003 den „Schmetterling des Jahres“, um auf die Bedeutung und Bedrohung der Falter aufmerksam zu machen. Denn nur ein Drittel der Tag- und die Hälfte der Nachtfalterarten in Deutschland sind noch ungefährdet.

Prost Spätsommer! Cocktails ohne Schwips


(c) Fahrwasser

Sie haben was zu feiern oder möchten an warmen Sonnentagen einfach mal etwas Besonderes genießen? Mit fruchtigen Zutaten aus Ihrem Bio-Fachgeschäft wie Holundersirup, Mangosaft und frischem Obst können Sie kühle Köstlichkeiten mixen - Longdrinks, Cocktails und sogar eine Virgin Caipirinha mit Ginger Ale statt Zuckerrohrschnaps. Für einen Red Hot Chili Breeze mixt man Möhren-, Granatapfel- und Grapefruitsaft mit etwas Chilisauce. Für den besonderen Effekt: Vor dem Befüllen die Ränder von flachen Cocktailschalen mit einem Stück Grapefruit leicht befeuchten und in etwas Fleur de Sel tauchen. Zum Schluss eine Scheibe Grapefruit ins Glas gleiten lassen.

Cremig wird es mit Joghurt, Milch, Kokosmilch und pürierten Bio-Früchten. So können Sie die beliebte Piña Colada „ohne Umdrehungen“ mit Ananas und Ananassaft, Kokosmilch, Sahne, Agavensirup und Kokosflocken mixen und mit gestoßenem Eis und frischem Obst als Dekoration servieren. Für Cherry Soda mischt man Kirschsaft und Kirschen, Kokosmilch, Vanilleeis und Mineralwasser und serviert in einem Longdrinkglas mit kleinen Eiswürfeln, garniert zum Beispiel mit einer Orangenscheibe.

 

Weitere Rezeptideen finden Sie auf der Seite Null Alkohol, voll Power, darunter die „Sommerröte“ mit Granatapfelsirup, rotem Traubensaft und Johannisbeer-Nektar, garniert mit einer Johannisbeer-Rispe. Von Demeter stammt das Rezept für Grape & Thyme mit Grapefruitsaft, Zitronensaft und frischem Thymian. Wer es weniger süß mag, sucht nach Rezepten für Garden Drinks mit Gurke, Radieschen oder Möhren, Ingwer oder auch Kräutern wie Rosmarin oder Basilikum. Ein Tipp, damit die Drinks schön kühl sind: Nicht nur die Zutaten, sondern auch die Gläser im Kühlschrank vorkühlen und Obst vor dem Pürieren am besten einfrieren!

„Wir haben es satt!“ - Aktionstour zur Bundestagswahl


(c) Wir haben es satt!

Es läuft einiges schief in der deutschen Landwirtschaftspolitik: Jedes Jahr wird eine halbe Milliarde Hähnchen geschlachtet, die aus Großbetrieben mit 50.000 oder mehr Tieren stammen. Drei Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe verfügen über die Hälfte der Agrarflächen, und durch Fusionen wie der von Agrarkonzernen wie Bayer und Monsanto konzentriert sich die Marktmacht immer mehr. Dagegen stellt sich das Bündnis „Wir haben es satt!“ und ruft anlässlich der Bundestagswahl kritische Verbraucherinnen und Verbraucher zur Aktionstour auf. Die Botschaft an die künftige Bundesregierung heißt: „Die Agrar- und Ernährungswende offensiv angehen!“ Bereits im Januar hatten die „Wir haben es satt!“-Partner einen Neun-Punkte-Plan mit Vorschlägen für eine ökologisch ausgerichtete Land- und Lebensmittelwirtschaft vorgestellt.

Die Aktionstour startet mit einer Demonstration am 6. September in Leverkusen vor den Bayer-Werkstoren gegen Gentechnik, Saatgutmonopole und Glyphosat und für gentechnik- und patentfreies Essen. Am 7. und 8. September folgen in Thüringen mehrere Veranstaltungen zum Brennpunkt Landraub. Im Osten Deutschlands ist die Konzentration beim Landbesitz am stärksten. Monokulturen breiten sich aus, und die Pacht- und Kaufpreise stehen in keinem Verhältnis mehr zum Ertrag, so dass Familienbetriebe kaum noch Chancen haben, Land zu pachten oder erwerben. Zum Abschluss gibt es am 9. September eine Podiumsdiskussion und eine Demonstration in Königs Wusterhausen bei Berlin, wo der größte deutsche Geflügelproduzent Wiesenhof künftig 240.000 Hühner am Tag schlachten will. Mastanlagen dieser Größenordnung sorgen für Überproduktion in Deutschland, belasten das Grundwasser und verschärfen das Problem der Antibiotikaresistenzen. Gleichzeitig bedrohen die Exporte die Lebensgrundlage von Bäuerinnen und Bauern im globalen Süden. „Wir haben es satt“ fordert von der Politik einen Stopp der Förderung von Tierfabriken der Agrarindustrie und wirtschaftliche Perspektiven für den Stallumbau.

Informationen zu den Veranstaltungsorten und -zeiten finden Sie hier.

Das Fahrrad: 200 Jahre alt, große Zukunft


Westrich/ADFC

Vor 200 Jahren, im Sommer 1817, brach der Tüftler Freiherr Karl von Drais in Mannheim zur ersten Fahrt mit seiner frisch erfundenen Laufmaschine auf. Diese Jungfernfahrt war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die längst nicht zu Ende ist. Denn mehr Fahrten mit dem Rad statt mit dem Auto sorgen für ruhigere, sicherere und sauberere Städte und dienen dem Klimaschutz. Das sehen nicht nur immer mehr Menschen so und steigen um, auch die Politik bewegt sich langsam. Zu langsam, findet allerdings der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und hat zum runden Rad-Geburtstag das Aktionsprogramm „Fahrradland Deutschland jetzt" gestartet. Mehr Platz und mehr Geld für den Radverkehr stehen ganz oben auf der Wunschliste zur Bundestagswahl, dazu Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Ortschaften, verbindliche Qualitätsstandards für den Bau von Radwegen und der Vorrang für Radschnellwege vor Stadtautobahnen.

Die Niederlande fördern das Radfahren schon seit Jahrzehnten kräftig. Auto-Zufahrtsmöglichkeiten in die Stadtzentren werden eingeschränkt und Parkgebühren erhöht, Radwege und durchgängige Radverkehrsnetze und Parkmöglichkeiten angelegt. Der Erfolg ist durchschlagend: 27 Prozent aller Wege werden in den Niederlanden mit dem Rad zurückgelegt – in Deutschland sind es nur 12 Prozent. Immerhin gibt es auch hierzulande fast doppelt so viele Fahrräder wie Autos. Aber löchrige Radwege und gefährliche Verkehrsführungen schrecken viele ab, das Rad regelmäßig zu nutzen. Dabei ist die Hälfte aller Autofahrten in Städten kürzer als fünf Kilometer. Radfahren ist da nicht nur die billigste und umweltfreundlichste Alternative – oft sogar die schnellste.

Weil Lastenfahrräder auch den Transport von schweren Einkäufen ermöglichen, verleihen einige Bioläden inzwischen selbst oder liefern Lebensmittel per Rad nach Hause. Außerdem gibt es in immer mehr Regionen Leihrad-Systeme und in rund 40 Städten sogar kostenfreie Lastenfahrrad-Verleihstellen, zum Beispiel in Erfurt, München und Bocholt.