Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 6/2017

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Nitrat macht Wasser teurer


Mehr Ökolandbau - besseres Trinkwasser! ©bigfoot Fotolia

Trinkwasser könnte in den Landwirtschaftsregionen Deutschlands spürbar teurer werden. Das ergab eine Studie des Umweltbundesamts. Die Autoren haben in fünf Regionen analysiert, welche Kosten die Rückstände von Dünger und Pestiziden bei der Wasseraufbereitung verursachen. Danach sind Preissteigerungen von 32 bis 45 Prozent zu erwarten, wenn insbesondere die Nitrat-Einträge nicht bald sinken.

Bei mehr als einem Viertel der Grundwasservorkommen ist schon heute der Grenzwert überschritten. Verursacher sind vor allem Betriebe mit intensiver Tierhaltung, die zu viel Gülle auf die Felder bringen. Synthetischer Mineraldünger aus der intensiven Ackerwirtschaft verschärft das Problem. Die Wasserversorger reagieren, indem sie Brunnen verlagern oder belastetes mit unbelastetem Wasser mischen. Diese Kosten fließen schon jetzt in den Wasserpreis ein. Regional könnten allerdings bald deutlich teurere Aufbereitungsmethoden notwendig werden.

Einige Wasserwerke haben eine nachhaltigere Lösung gewählt: Sie lassen die Einzugsflächen ökologisch bewirtschaften. So sorgt in Leipzig das „Wassergut Canitz“ mit 750 Hektar Bio-Fläche für sauberes Trinkwasser, ganz ohne teure Aufbereitung. Als Dünger kommt nur Kuhmist vom eigenen Betrieb zum Einsatz. Da die Zahl der Tiere pro Fläche bei Bio begrenzt und leicht löslicher Stickstoffdünger verboten ist, sickert kein Überschuss ins Grundwasser.

Jetzt ist gut Bio-Kirschen essen!


Kirschen am besten pur genießen! (c)ec organic

Kirschen sind eine Köstlichkeit des Sommers: knackig, saftig und gesund. Im Juni reifen die ersten Süßkirschen, zunächst die saftigen Herzkirschen, dann die knackigen und festeren Knupper- oder Knorpelkirschen. Der beste Tipp: Pur genießen! Übrigens sind auch gelbrote und gelbe Sorten süß, saftig und „kirschig“ - und oft robuster als extra groß und dunkel gezüchtete Kirschen. Das ist wichtig im ökologischen Obstbau, denn synthetische Fungizide und Insektizide sind tabu. Neben der Wahl der richtigen Sorten beugt gute Durchlüftung der Anlagen dem Pilzbefall vor, feinmaschige Netze halten bei Bedarf die Kirschfruchtfliege fern. Kirschen für den deutschen Bio-Fachhandel kommen aber oft auch aus Italien, wo das mediterrane Klima den Anbau der empfindlichen Steinfrüchte erleichtert.

Später im Sommer beginnt die Erntezeit für Sauerkirschen, darunter die bekannten Schattenmorellen. Sie werden selten pur gegessen, eignen sich dank ihres intensiven Aromas aber besonders gut für Kuchen, Marmelade und Fruchtgrütze. Der Anbau in Deutschland geht nicht zuletzt wegen hoher Arbeitskosten seit Jahren zurück. Zwergenwiese verarbeitet dennoch Sauerkirschen aus Mecklenburg-Vorpommern für die Bio-Fruchtaufstriche. Morgenland bezieht Bio-Sauerkirschen aus einem Projekt in Anatolien, und zwar aus einer Region, wo viel Bio produziert wird und es somit keine Verunreinigungen aus der konventionellen Landwirtschaft gibt. Die Lage in 1.600 Meter Höhe und die sehr kalten Winter halten Schädlinge im Schach. 

Alte Hochstamm-Kirschbäume können bis zu 20 Meter hoch werden. Heute stehen in den Plantagen meist niedrige Stämmchen, daher ist der Erhalt alter Streuobstwiesen mit traditionellen Sorten so wichtig. Wer mehr wissen möchte: Im nordhessischen Witzenhausen gibt es einen Kirschenerlebnispfad, an dessen Planung der Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel beteiligt war.

Sommerlich gemixt mit Getreide- und Nussdrinks


Soja, Hafer & Co.: frisch gemixt, einfach lecker!

Mit Soja-, Mandel-, Hafer- oder Reismilch lassen sich ideal auch sommerliche Drinks mixen. Wie wäre es mit einem Himbeer-Banane-Shake mit Hafermilch? Oder einem Kirsch-Erdbeer-Orange-Mandeldrink? Zutaten jeweils pürieren, nach Belieben süßen und gut gekühlt servieren. Die Auswahl im Sommer ist groß - Johannisbeeren, Melone, Blaubeeren, Brombeeren, Pfirsich - mixen Sie, was Ihnen schmeckt! Besonders erfrischend an heißen Tagen sind Rezepte mit Zitrusfrüchten wie Pink Grapefruit und Pomelo mit Zitronenmelisse. Und wer es nicht so gerne süß mag, probiert vielleicht mal einen Getreidedrink mit Salatgurke, Kresse, Paprikapulver und etwas Salz.

Im Bio-Fachgeschäft ist das Angebot an Getreide-, Soja- und Nussmilch besonders groß. Drinks auf Haferbasis schmecken leicht karamell-getreidig, Mandel hat eine Marzipan-Note, Reisdrinks sind besonders mild. Im Vergleich zu Milch enthalten Soja- und Getreidegetränke weniger Fett und mehr wertvolle ungesättigte Fettsäuren und verdauungsfördernde Ballaststoffe. Zudem sind sie frei von Cholesterin.

 

Sojadrinks sind besonders reich an hochwertigem Protein. Bei fertig gemixten Schoko-, Vanille- oder Frucht-Drinks auf Pflanzenbasis verrät ein Blick aufs Etikett, ob der jeweilige Hersteller natürliches Aroma oder hochwertige Extrakte verwendet.

Natürlich kann man Sojamilch und Co. auch für Kuchen, Müsli, Desserts, Pfannkuchen oder Soßen verwenden – nicht nur bei Kuhmilchallergie und Laktose-Intoleranz. Praktisch für die Vorratshaltung: Alle Sorten halten sich ungeöffnet mehrere Monate ohne Kühlung. Nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb weniger Tage verbrauchen.Foto (c) Kristina Rütten/ Fotolia

Neu im Kino: „Code of Survival“

„Eigentlich sollte man sich den besten Anzug anziehen, wenn man auf den Acker geht, weil man Ehrfurcht vor dem Boden haben muss, denn er ist unsere Lebensgrundlage“, sagt Franz Aunkofer, Biobauer der ersten Stunde, im neuen Film „Code of Survival - Die Geschichte vom Ende der Gentechnik“. Seit Anfang Juni läuft der engagierte Dokumentarfilm von Bertram Verhaag in deutschen Kinos und zeigt, welchen Beitrag die ökologische Landwirtschaft zum Überleben auf unserem Planeten leisten kann.

Ein Beispiel ist die indische Teeplantage Ambootia in 2000 Meter Höhe in der großartigen Landschaft des Himalaya. Dort rettet die ökologische Anbauweise eine ganze Region und hat Hunderte Arbeitsplätze geschaffen. Vor der Umstellung hatte der immer stärkere Chemikalieneinsatz den Boden ausgelaugt und zu Ertragsrückgang und Bodenerosion geführt - wie in vielen Teegärten in Darjeeling. Der Neustart mit Bio vor mehr als 25 Jahren war mühsam, das zeigen die Gespräche mit dem Gründer Sanjay Bansal deutlich. Doch heute wachsen hochwertige Tees auf gesundem Boden und in intakter Umwelt. Man kann ihn sogar in Deutschland trinken: Im Bio-Fachhandel vertreibt Lebensbaum den „Ambootia Darjeeling“.

Außerdem stellt Verhaag das Projekt Sekem vor. Die biologisch-dynamische Farm in Ägypten beweist, dass man sogar Wüste in fruchtbaren Boden verwandeln kann. Zu Wort kommen außerdem Experten wie der Landwirtschaftsberater Tucker Miller, der in den USA seit einigen Jahren immer häufiger Superunkräuter auf Feldern beobachtet, auf denen gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen. Der riesige Palmer-Fuchsschwanz ist dabei nicht nur resistent gegen das Herbizid Roundup geworden, sondern sogar kräftiger als früher. Der Film setzt trostlose Agrarlandschaften wie in den USA in Kontrast zu grünen Oasen mit reicher Humuserde in Indien, Ägypten und Bayern. Wie wollen und wie können wir in Zukunft unsere Nahrung produzieren? „Code of Survival“ lässt da keine Zweifel: Der Film ist ein Plädoyer für den biologischen Landbau.

Veggie-Produkte meist gesünder als Fleisch


Veggie auch als leckeres Grillverügen /(c) stockcreations

Sich vegetarisch, vegan oder „flexitarisch“ zu ernähren, bleibt im Trend. Für viele Menschen sind Soja-Schnitzel, Lupinen-Geschnetzeltes oder Tofuwürstchen eine leckere Alternative zu Fleisch auf dem Grill oder in der Pfanne. Für andere machen sie es einfacher, häufiger auf Fleisch zu verzichten. Allerdings stehen Veggie-Produkte auch im Ruf, nicht besonders gesund zu sein, weil viele Anbieter mit reichlich Farb- und Aromastoffen und Bindemitteln versuchen, die Konsistenz und den Geschmack von Fleisch möglichst identisch „nachzubauen“. Für Bio-Produkte gibt eine Studie des Instituts für alternative und nachhaltige Ernährung (IFANE) jetzt Entwarnung.

Bewertet wurden 80 vegane und vegetarische Fleischalternativen und die entsprechenden Fleischprodukte. Während in Untersuchungen von Ökotest und Stiftung Warentest die Fleischalternativen bisher eher schlecht wegkamen, hat IFANE genauer hingeschaut und zwischen konventionellen und ökologischen Produkten unterschieden. Dabei zeigte sich: Bio ist die weitaus bessere Wahl. Zum einen sind Zusatzstoffe fast kein Thema: Im Durchschnitt enthalten die Produkte einen Zusatzstoff - meist das Bindemittel Guarkernmehl. Bei den konventionellen waren es im Schnitt 3,5 Zusatzstoffe. Zum anderen gibt es bei Bio keine Aromazusätze.

Die Fleischalternativen schnitten auch in Sachen Gesundheitswert oft besser ab als das Original. So enthalten fast zwei Drittel der fleischhaltigen Produkte deutlich zu viele gesättigte Fettsäuren. Dagegen war nur bei zehn Prozent der fleischfreien Alternativen der Gehalt zu hoch. Auch der Gesamtfett- und Cholesteringehalt der Fleischwaren war ungünstiger. Die veganen Bio-Alternativen haben außerdem in sieben von elf Produktkategorien den höchsten Proteingehalt und übertrumpfen damit sogar Fleischprodukte. Weitere Pluspunkte aller Veggie-Versionen: Mehr Tierschutz, weniger Treibhausgas-Ausstoß und weniger Wasserverbrauch.