Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 5/2017

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Fruchtiger Frühlingsbote: Rhabarber


Sauer aber lecker, jetzt ist Rhabarberzeit!

Frisch, fruchtig, herb – der Geschmack von Rhabarber ist unverwechselbar. Verschiedene Fruchtsäuren, vor allem Äpfel- und Citronensäure, sind dafür verantwortlich. Klassisch wird Rhabarber mit süßen Zutaten kombiniert, sei es mit Baiser für eine Torte, im Tiramisu mit Mascarpone und Cantuccini oder mit Marzipan im Streuselkuchen. Ein perfektes Duett legt der herbe Rhabarber mit der süßen Erdbeere hin, als Konfitüre, zu Milchreis oder im Kuchen. Rhabarber kann aber auch pikant, zum Beispiel mild in einem Rhabarber-Spargel-Salat oder gut gewürzt mit Süßkartoffeln, Linsen und Erbsen im Curry.

Mai und Juni sind Haupterntezeit. Sorten mit mehr Rot sind süßer als grüne oder grün-rote Stangen. Schälen ist nur noch selten nötig, meist reicht es, die Fasern vom Stielende her abzuziehen. Dann in Stücke schneiden und immer kochen oder blanchieren - das reduziert den Gehalt an Oxalsäure und macht Rhabarber bekömmlicher. Grundsätzlich sollten nur die Stängel gegessen werden, da die Blätter deutlich mehr Oxalsäure enthalten.

Ursprünglich stammt Rhabarber aus dem Himalaya. Als Knöterichgewächs ist die Staude nah mit dem Sauerampfer verwandt. Für den Bio-Anbau wichtig sind ein passender Standort, eine gut dosierte Naturdüngung und an den Standort angepasste Sorten. Traditionell wird bis zum 24. Juni geerntet, damit sich die Pflanzen für die nächste Saison erholen können und weil dann auch der Gehalt an Oxalsäure steigt. Aber auch danach muss niemand auf Rhabarber verzichten: Im Bio-Fachhandel gibt es ihn auch als erfrischende Schorle und im Sirup von Voelkel, im Apfel-Rhabarbermus von Bauck oder mit Vanille im Joghurt von Söbbeke. Zwergenwiese und Allos machen aus Rhabarber und Erdbeeren Aufstriche mit hohem Fruchtanteil.

Eine Schnapsidee: Patente auf Bier

Patente auf Gerste mit zufälligen Mutationen im Erbgut, die die Braueigenschaften verbessern? Was absurd klingt, hat das Europäische Patentamt im letzten November tatsächlich erteilt. Schlimmer noch: Die Patente für den Brauereikonzern Carlsberg beziehen sich nicht nur auf drei Gerstensorten, sondern auf alle Gerstenpflanzen mit denselben Eigenschaften, den Prozess des Bierbrauens, auf Produkte wie Malz und Würze und sogar auf das Bier. „Auf Bier und Braugerste darf es keine Patente geben. Das Züchten von Pflanzen und das Bierbrauen beruhen auf jahrhundertealter Tradition“, kommentierte Christoph Then vom Bündnis „Keine Patente auf Leben!.

Dieser Meinung sind auch die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten, das Europäische Parlament und die EU-Kommission: Sie lehnen Patente auf Pflanzen und Tiere aus klassischer Züchtung ab. Doch das Europäische Patentamt hat genau diese unverdrossen weiter erteilt – zum Beispiel auf Melonen, Tomaten und Lachs. Das Bündnis „Keine Patente auf Leben“ hat inzwischen Einspruch gegen die Gerstenpatente eingelegt. Außerdem fordern 32 Nichtregierungsorganisationen, darunter Bioland, Slow Food und Brot für die Welt, wirksame Verbote im europäischen Patentrecht, um den Ausverkauf unserer Ernährungsgrundlagen zu stoppen. Die EU-Mitgliedsstaaten müssten dafür im Verwaltungsrat des Europäischen Patentamts sorgen. Für Deutschland ist Bundesjustizminister Heiko Maas zuständig, daher soll er im Zuge der Kampagne „Keine Patente auf Bier!“möglichst viele Briefe erhalten, die ihn zum Handeln auffordern.

An der Patentanmeldung für die Gerstensorten waren Carlsberg und Heineken beteiligt, zwei der größten Bierkonzerne der Welt. Die Marken Tuborg, Astra, Holsten, Hannen Alt, Paulaner, Kulmbacher und viele weitere gehören dazu. Zum Glück gibt es Alternativen mit Charakter - sogar in bester Bio-Qualität, ohne genmanipulierte Hefen und ohne Pestizide auf den Hopfen- und Gerstenfeldern, oft mit Rohstoffen aus der Region. Prost!

Klimaschutz mit der Mehrwegflasche


Statt Meere voller Plastik, Mehrweg wählen! (c) DUH

Die Flut an Plastikverpackungen ist ungebremst. Allein zwei Millionen Einweg-Plastikflaschen werden in Deutschland verbraucht - jede Stunde! Das sind 48 Millionen am Tag und mehr als 17 Milliarden im Jahr. Gegen diese gigantische Ressourcenverschwendung gibt es ein einfaches Mittel: die Mehrwegflasche. Bisher wollte die Bundesregierung erreichen, dass 80 Prozent der Getränke in ökologisch vorteilhaften Getränkeverpackungen und Mehrwegflaschen abgefüllt werden. Tatsächlich liegt die Quote in Deutschland im Schnitt nur noch bei rund 45 Prozent, Tendenz sinkend. Nur noch bei Bier werden 80 Prozent Mehrweg erreicht. Ende März hat der Bundestag nun ein neues Verpackungsgesetz verabschiedet, mit dem nur noch ein Mehrweganteil von 70 Prozent angestrebt wird. Umweltverbände hatten dagegen gefordert, Sanktionen wie eine Steuer oder eine oder eine Abgabe auf Getränkeverpackungen einzuführen, um Mehrweg günstiger und wieder populärer zu machen.

 

Tatsächlich ist die Mehrwegflasche aus den meisten Discountern inzwischen ganz verschwunden. Fast drei Viertel aller Erfrischungsgetränke werden in Einwegflaschen gefüllt. Für jedes Getränk wird also eine neue Verpackung produziert, die nach kurzer Zeit zu Abfall wird. Mehrwegflaschen haben dagegen die mit Abstand beste Ökobilanz. Glasflaschen können sogar bis zu 50 Mal genutzt werden. Außerdem schützen sie den Geschmack und gehen keine Wechselwirkungen mit dem Füllgut ein. Im Bio-Fachhandel finden Sie traditionell ein großes Angebot an Getränken und Joghurt in Mehrwegflaschen und -gläsern. Der Fruchtsafthersteller Voelkel investiert sogar gerade fünf Millionen Euro in eine neue Mehrwegabfüllanlage. In einigen Bioläden weist ein neues Logo am Regal auf die Mehrwegprodukte hin. Auf den Produkten sorgen die Zeichen "Mehrweg - für die Umwelt", der Blaue Umweltengel oder der Hinweis "Mehrweg" oder "Leihflasche" für Klarheit.

Störche mögen Biolandbau


Dank Bio wieder mehr Störche im Land

Wo Störche über die Wiese staken und auf dem Nest klappern, kann man ziemlich sicher sein: Hier ist die Kulturlandschaft noch in Ordnung. Wiesen, die nicht gedüngt und nicht allzu häufig gemäht werden, sind ein Eldorado für Störche, denn sie garantieren ein üppiges Nahrungsangebot für den hungrigen Nachwuchs, ebenso extensiv genutzte Weiden. In der Bio-Landwirtschaft gibt es beides, denn dass Milchkühe das ganze Jahr im Stall stehen, ist hier gar nicht erlaubt. Viele Biolandwirte kümmern sich zusätzlich im Rahmen der Landschaftspflege um den Erhalt oder die Neuanlage von Biotopen.

Doch insgesamt sind in den letzten 50 Jahren immer mehr Wiesen und Weiden verschwunden. Schuld ist die EU-Agrarpolitik, die ein „Immer mehr, immer billiger“ fördert. Feuchtes und artenreiches Grünland wurde entwässert und in Ackerland umgewandelt, Tümpel wurden zugeschüttet und Bäche begradigt. Pestizide sorgen für weitere Verluste bei Fröschen, Mäusen, großen Insekten, Fischen und Regenwürmern, der Nahrungsgrundlage der Störche.

Bis in die 1980er Jahre ging es mit Zahl der Brutpaare nur noch bergab. Seitdem geht ist der Trend gebrochen, teilweise ging es sogar ein wenig aufwärts, allerdings auf niedrigem Niveau. Die Organisation Euronatur zeichnet jedes Jahr eine vorbildliche Gemeinde als „Europäisches Storchendorf“ aus. In Deutschland gibt es mehrere Weißstorch-Infozentren, zum Beispiel im Havelland, in der Niederlausitz und in der Elbtalaue, der storchenreichsten Region Deutschlands.

EU-Bürgerinitiative für den Boden


EU-weiter Protest für gesunden Boden

Der Boden steht unter Druck: Überall werden Böden verdichtet, kontaminiert, überdüngt, zubetoniert oder durch falsche Bearbeitung unfruchtbar gemacht. Trotzdem gibt es in der EU kein Gesetz zum Schutz der Böden und auch keine verbindliche und einheitliche Bodenschutzstrategie. Mehr als 500 Organisationen haben sich nun im offenen Netzwerk People4Soilzusammengeschlossen und fordern mit einer Europäischen Bürgerinitiative (EBI) die EU-Kommission zum Handeln auf. Eine Million Unterschriften aus mindestens sieben der 28 Mitgliedstaaten werden benötigt.

Nur gesunde Böden können gesunde Nahrung hervorbringen. Schon die Pioniere des ökologischen Landbaus stellten vor fast 100 Jahren die Bodenfruchtbarkeit in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Bio-Bauern schützen Böden heute unter anderem mit vielfältigen Fruchtfolgen, Gründüngung und durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Substanzen in Spritz- und Düngemitteln. Der Ökolandbau ist auch bestens geeignet, durch Humusaufbau Kohlenstoff im Boden zu speichern und so der Atmosphäre das Treibhausgas zu entziehen.

Wer nicht nur unterschreiben, sondern noch mehr für den Boden tun möchte, kann zum Beispiel Mitglied in der BioBoden-Genossenschaft werden, die Flächen für die ökologische Landwirtschaft sichert. Oder im eigenen Garten oder in einem Gemeinschaftsgarten ein Stückchen Erde ökologisch „beackern“.